PR-Kloster

Gemeinschaftsweblog von MitarbeiterInnen und Gästen der Düsseldorfer PR-Agentur conosco

StudiVZ: Musterbeispiel für (fehlende) Krisen-PR

Seit Tagen beschäftigt die Studenten-Plattform StudiVZ (angeblich 1 Mio. Mitglieder in Deutschland) nun schon größere Teile der deutschsprachigen Bloggosphäre. Immer mehr fragwürdige Details sind dabei ans Tageslicht gefördert worden - von Datenschutzproblemen und dubiosen Geschäftspraktiken bei der Auslandsexpansion über sexistische Videos bis hin zu üblen Nazi-Scherzen. Firmengründer Ehssan Dariani hat sich während dieser ganzen Zeit ziemlich unprofessionell verhalten.

Vor dem Hintergrund, dass er (und seine Investoren Holtzbrinck-Verlag und Gebrüder Samwer) die Clone-Plattform wohl teuer an das US-Vorbild FaceBook verkaufen wollen, ein ziemlicher Kommunikations-Gau. Jetzt ist gerade passiert, was in solchen Fällen häufig als Nächstes geschieht: Die etablierten Medien (in diesem Fall z.B. “Frankfurter Rundschau“, “Welt am Sonntag” und “Spiegel online” greifen die Blogger-Geschichten auf und machen sie einer noch breiteren Öffentlichkeit bekannt.

Dabei hätte es soweit nun wirklich nicht kommen müssen. Karsten Wenzlaff (freier Journalist, Blogger und Student) hatte sich Anfang der Woche mit der Geschäftsleitung von StudiVZ getroffen und ein wirklich tolles Krisen-PR-Konzept aus dem Ärmel geschüttelt (hier nachzulesen). Seine Vorschläge wurden allerdings nur halbherzig befolgt. Die Folgen dieser Ignoranz wird StudiVZ vermutlich noch lange zu spüren bekommen. Matze ist wohl erst der Anfang.

Nachtrag: Zeit-Blogger Falk Lüke hat die ganze Geschichte sehr schön zusammengefasst (leider wollte sie kein Printmedium abdrucken). Zum Thema PR heißt es darin:

Viel Arbeit bedeuten die Ereignisse für Tilo Bonow. Der PR-Mann ist wie Dariani 26 Jahre jung – aber hat sich in Sachen Krisenkommunikation bereits einen Ruf erworben. … Bonows Karriere im Umfeld der Samwer-Investitionen taten seine PR-Missgeschicke jedoch keinen Abbruch. … Doch auch zwei Jahre später riet Bonow, wenn überhaupt, erst spät zur Flucht nach vorne. Nicht nur Darianis Warnsystem versagte, die gesamte Jungunternehmer-Clique aus Berlins angesagter Mitte mitsamt des Pressesprechers erzeugt den Eindruck eines auf dem Rücken liegenden Käfers, der nicht mehr auf die Beine kommt. Der Wagniskapitalgebner Holtzbrinck Ventures zeigt sich auf Nachfrage unzufrieden: „Die Kommunikationspolitik bislang war sehr unglücklich, aber wir sehen da einen positiven Trend”.

Nun ja, den kann ich nicht so recht erkennen.

Meinungen dazu

  1. 20.11.06 | 09:27

    Googlability: Auf der Spur von Reiner Fakeman

    Die Wirtschaftswoche hat ein interessantes Experiment gestartet: Passend zur heutigen Titelgeschichte "Karrierekiller Google" wurden bei diversen Web 2.0-Diensten und auch sonst im Internet Profile von "Reiner Fakman" angelegt. Auch…

  2. 23.11.06 | 21:26

    Der Artikel auf jetzt.de ist auch nicht schlecht. Leider wegen Rechtsstreitigkeiten nurnoch im google-cache: http://tinyurl.com/ygqhpj

  3. Tombats
    29.11.06 | 00:07

    Hallo Wolf, woher willst Du denn wissen das es keine Krisen PR gab/gibt? Ist doch klar das bei den Verfehlungen des Gründerteams (Nazithema, Belästigungen, Datenschutz) da die Presse aufspringt. Da kann ja PR nur noch Schadensbegrenzung sein bzw. langfristig versuchen den Imageverlust gradezubiegen.

  4. 08.12.06 | 00:58

    @Tombats: Schau Dir doch mal die Eskalation der Geschichte an. Wo siehst Du da eine professionelle Krisen-PR? Klar, ab einem bestimmten Punkt war kaum noch was zu retten. Aber hätten die Verantwortlichen bei StudiVZ die Vorschläge von Karsten Wenzlaff schnell und konsequent am Anfang der Krise umgesetzt, wäre ihnen vielleicht der GAU erspart geblieben.

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