PR-Kloster

Gemeinschaftsweblog von MitarbeiterInnen und Gästen der Düsseldorfer PR-Agentur conosco

04.07

Calvin Klein: Technosexueller Fake

Da wundern sich in der letzten Zeit etliche Bloggerinnen und Blogger über ziemlich banale Kommentare von Joe, Miriam, Flyinggirl, Alina, Katharina oder Tomek. So nach dem Muster “Toller Inhalt, das würde ich gerne in mehr Blogs lesen.“ Und immer mit Link zum eigenen Blog oder zur mySpace-Site. Die fünf - so erfährt man - haben alle erst vor wenigen Wochen mit Bloggen angefangen, sich dadurch gegenseitig kennen und schätzen gelernt. So weit, so gut.

Schaut man sich dann die Blogs genauer an, stößt man recht oft auf die PR-Wortschöpfung “technosexual”. Zum Beispiel im Blog vom Flying Girl: “Hab mir mal so meine Gedanken über technosexual generation gemacht… also, die CK IN2U Launch Party gehört ja zu den Top-Parties meines Lebens (ja, unter anderem Dank Kevin… oh, mmmhh…) und wenn die Partygäste und die dortige Atmosphäre die technosexuelle Generation wiederspiegeln, dann möchte ich zu gerne ein Teil davon sein und erkläre mich hiermit als technosexual girl… J

Und da ist die Katze schon aus dem Sack. Denn mit dem Wort “technosexuell” soll der neue Duft IN2U von Calvin Klein (CK) verbunden werden. Und schaut man dann auf die Website der Frankfurter CK-Agentur DKD, wird der wahre Charakter der bloggenden Fünferbande schnell deutlich: „Die Kampagne mit inszenierten Blogs, Charakteren und Bildern spricht die Generation der Technosexuals an, um in den Medien der Zielgruppe die Produkteinführung des neuen Dufts CK IN2U zu unterstützen.“

Leute, Leute - mit so etwas schafft ihr Euch keine Freunde in der Blogosphöre. Zumal es auch handwerklich nicht so besonders gekonnt ist. “Doch das Inszenieren von Authentizität fällt Werbetreibenden nach wie vor schwer. DKD ließ seine fiktiven Blogger wie aus dem Maschinengewehr geschossen alle paar Minuten neue Texte veröffentlichen, um innerhalb weniger Wochen eine ansehnliche Web-Präsenz aufzubauen. Dabei kopierten die DKD-Mitarbeiter in einigen Fällen auch mal Word-Metadaten in ihre Beiträge“, berichtet Janko Röttgers in der Netzwelt.

Letztlich - so seine Meinung - dürfte es jedoch die übertriebene Kommentarwut gewesen sein, die zur Enttarnung der Calvin Klein-Fünferbande führte: “Weblog-Autoren bezeichnen ihre Welt gerne als Raum für Gespräche, die sich lose von Blog zu Blog bewegen. Organisierte Schreihälse fallen in so einer Welt zwangsläufig aus dem Rahmen“. Und das dürfte genau das Problem sämtlicher Fake-Blogs und anderer Manipulationsversuche sein.

Eine Chronologie des Fakes und seiner Aufdeckung gibt es bei The Maastrix. Ganz schön großer Aufwand, den die Agentur da treibt. Ob sich das für den Kunden wirklich lohnt?

Nachtrag: “Nein“, meint Blogger Robert Basic, der es heute mit diesem Thema sogar in Spiegel Online gebracht hat: “Sobald solche Kampagnen echte Werbung machen, auf Webseiten oder Produkte verweisen, sind sie schnell enttarnt. Und wenn sie unauffällig bleiben, haben sie keine Werbewirkung. Im Grunde genommen eine sinnlose Veranstaltung also.” Und eine teure. Denn Mario Sixtus und Don Alphonso haben bereits ihre Rechnung für die Werbung an DKD geschickt. Und billig sind die beiden nicht gerade.

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