Big Blue bloggt mit Notes und Daimler zieht erste Bilanz
Während das CIO-Weblog einige interessante Zahlen über die Blog-Aktivitäten von IBM und ein neues deutschsprachiges Produkt-Blog von Big Blue vorstellt, zieht der Verantwortliche Uwe Knaus die erste Bilanz nach 100 Tagen Daimler-Blog. Da bietet sich ein kleiner Vergleich an, auch wenn die Voraussetzungen und Ansätze in beiden Konzernen völlig unterschiedlich sind.
Bei IBM sieht es so aus:
in den vergangenen zwölf Monaten haben weltweit 41.800 Mitarbeiter die firmeninternen Blogs genutzt, die über “Blog Central” - der auf “Lotus Connections 1.0″ basierenden Blog-Plattform von IBM - bereitgestellt werden. Insgesamt schrieben sie über 190.000 Einträge und Kommentare und vergaben 20.500 eindeutige Tags. Dabei kommen die meisten IBM-Blogger aus den USA, gefolgt von Großbritannien, Japan, Kanada und Indien. Deutschland liegt auf Platz 6. Über Zugriffszahlen ist nichts bekannt.
Um Lotus Notes weiter zu promoten, hat IBM Deutschland ein neues öffentliches Blog gestartet: “Lotus Germany ist bereits seit November 2007 mit ersten Beiträgen online und vom Äußeren her etwas gewöhnungsbedürftig“, schreibt das CIO-Weblog. Denn das Notes-Layout sieht recht spartanisch aus. Aber vermutlich will man damit ja auch keinen Schönheitswettbewerb gewinnen. “Inhaltlich ist das Blog eine bunte Mischung aus aktuellen Infos, Meinungen, Pressemitteilungen und Tipps - von daher aus meiner Sicht recht gelungen“, heißt es im CIO-Weblog.
Über das Daimler-Blog berichtet Uwe Knaus:
Die Seitenzugriffe haben sich aktuell auf erfreuliche 30.000 pro Monat eingependelt. Das ist zwar nicht riesig im Vergleich zu anderen, schon lange am Markt befindlichen Blogs, zeigt jedoch, dass sich bereits nach kurzer Zeit eine konstante Leserschaft herauskristallisiert hat. Eine vergleichweise hohe Verweildauer von zwischen 3 und 4 Minuten macht zudem deutlich, dass sich die Leser nicht nur durchklicken, sondern auch Inhalte mitnehmen.
Zu der auch in diesem Blog getroffenen Feststellung, dass es im Corporate Blog des Stuttgarter Automobilriesen zu friedlich zugehe und Kontroversen nicht vorkommen, antwortet Knaus: Klassische Blogger wollen Reichweite. Dazu brauchen sie Leser, Kommentare und Verlinkungen. Das funktioniert wiederum am Besten, wenn man eine gegenteilige Meinung vertritt, polarisiert oder über negative Dinge oder Skandale schreibt. Bis auf wenige Ausnahmen hatten unsere „Blogger“ bis zu ihrem ersten Post mit Blogs so wenig am Hut, wie das Nilpferd mit dem Bergsteigen. In erster Linie sind sie nämlich Mitarbeiter von Daimler und arbeiten alle freiwillig für das Unternehmen. Sie haben sich den „Daimler“ als Arbeitgeber selbst ausgesucht und arbeiten gerne dort. Welchen Grund sollten Sie also haben, über Ihren „Brötchengeber“ in der Öffentlichkeit negativ zu berichten und das mit Photo und Namen?
Was die fehlende persönliche Note der Beiträge angeht, stellt der Kommunikationsprofi starke Unterschiede zwischen den einzelnen Autoren fest, sieht darin aber auch kein grundsätzliches Problem. Allerdings - so die statistische Auswertung - werden mit „Herzblut” verfasste Postings deutlich öfter aufgerufen, als die rein deskriptiv geschriebenen.
Das spricht dafür, dass man auch in einem Corporate Blog mit mehreren Autoren dafür sorgen sollte, dass die Blogger ihren eigenen Stil entwickeln. Das dauert aber einige Zeit und erfolgt wohl meist durch “Learning by doing”. Regelmäßiges Feed-Back und Training - etwa in Form von “Schreib-Schulen” - könnten diesen Prozess aber beschleunigen.
Auffällig ist auch, dass das Daimler-Blog relativ häufig von Lesern an den deutschen Daimler-Standorten besucht wird - vermutlich von Mitarbeitern und ihre Familien, die sich für einen Blick hinter die Kulissen ihres Unternehmens interessieren. Eine ähnlichen Effekt konnten wir auch beim (auf ein Event beschränkten) Blog von SBB Cargo beobachten: Auch hier hielten sich bemerkenswert viele Mitarbeiter des Unternehmens über das Blog aktuell auf dem Laufenden. Diesen Aspekt sollte man bei der Konzeption eines Corporate Weblogs also nicht außer Acht lassen. Gleiches gilt auch für Geschäftspartner und Zulieferer, die sich ebenfalls gerne im Blog informieren.
Bereits nach wenigen Wochen kristallisierte sich im Daimler-Blog heraus, dass „Beruf & Karriere“ die mit Abstand beliebteste Kategorie ist. “Obwohl wir eine hervorragende Beruf & Karriere-Website haben, sind wohl die persönlichen Sichtweisen eine ideale Ergänzung, um sich einen Eindruck von seinem zukünftigen Arbeitgeber machen zu können“, schreibt Knaus.
Alleine das wäre ja schon ein guter Grund, um das Weblog-Experiment fortzuführen und weiter auszubauen. Zumal sich die Stuttgarter nach den ersten 100 Tagen schon einen schönen Zeitvorteil erarbeitet haben. Robert Basic wettet bereits darauf, dass andere Automobilhersteller wie BMW und Audi “nicht lange zuschauen werden, wie der große Feind alleine vor sich dahinbloggt“. Hoffen wir es, denn auch bei den Corporate Blogs soll ja Wettbewerb das Geschäft beleben und Ansporn für Qualitätsverbesserungen sein.

