17.09.08
Das Blog zum Buch
Begleitende Weblogs zu Büchern sind keine Besonderheit mehr. Meistens schlafen sie irgendwann wieder ein, manchmal entwickeln sie aber auch eine ziemliche Eigendynamik. So im Falle der Karriere-Bibel des Wirtschaftswoche-Redakteurs Jochen Mai. Sogar Verlage bieten Blogs als Service an. Wie etwa im Falle des Science-Fiction-Bestsellers Feuerquell aus dem Boje-Verlag, das allerdings etwas langweilig geraten ist.
“Aber dann wird das Buch gedruckt - und es ist weg. Man kann nichts mehr ergänzen, korrigieren, aktualisieren. Dazu also nun ein Blog: Ich möchte hier Fundstücke zusammentragen, welche die Themen des Lehrbuchs ergänzen und aktualisieren“, so begründet Prof. Dr. Klaus Meier die Einrichtung eines Begleit-Weblogs zu seinem Journalismus-Lehrbuch.
Drei neue “Weblogs zum Buch” sind mir in den letzten Tagen aufgefallen. Wolff Horbach begleitet damit seinen gerade erschienenen Ratgeber “77 Wege zum Glück”. Nicht nur dessen Inhalte werden in den Postings systematisch behandelt (interessant: Die Kategorien des Blogs, die den Kapiteln des gedruckten Werkes entsprechen), sondern er ist auch im Laufe der Zeit auf die verschiedenen Schritte bei der Entstehung eines Buches eingegangen.
Einen ähnlichen Ansatz, der allerdings schon bei der Recherche und der Verlagssuche beginnt, hat der Autor des Regional-Krimis “Aktion Störtebeker” gewählt. Der Kriminalroman soll nächste Jahr erscheinen, spielt auf der Insel Rügen und führt in ein dichtes Gestrüpp von islamistischen Terroristen, Neonazis und Mitgliedern von ehemaligen DDR-Spezialeinheiten. Im begleitenden Weblog kann man den bisher unbekannten Krimiautor bei seinen Recherchen begleiten, sieht Fotos von möglichen “Tatorten” und Listen der verwendeten Sekundärliteratur. Also ein richtiger Blick hinter die Kulissen. Und weil dabei soviele Informationen anfallen, dass sie alle gar nicht zwischen zwei Buchdeckel passen, ist deren Aufbereitung - so ist im Blog zu lesen - durch Wissensseiten auf Google Knol geplant. Einen ersten solchen Knol gibt es bereits, zu Klaus Störtebeker. Ein spannendes Konzept.
Schließlich noch das dritte “Blog zum Buch”. Sascha Lobo und Kathrin Passig (zwei altgediente Blogger) begleiten ihr neuestes Werk “Dinge geregelt kriegen - ohne einen Funken Selbstdisziplin“, das am 6. Oktober in den Buchhandel kommen soll, natürlich auch mit einem Blog. Beide handeln von Prokrastination, also der “Aufschieberitis”. In dem Weblog werden vor allem Literaturhinweise und zusätzliche Informationen gegeben, aber auch Anektoden erzählt. Zum Beispiel von einer veröffentlichten Besprechung des Buches, obwohl das noch gar nicht erschienen ist. Also von “Aufschieben” kann man in diesem Fall nun nicht sprechen.
Alles in allem drei schöne aktuelle Beispiele, wie Weblogs in der Buch-PR eingesetzt werden können und den Kontakt zwischen Autoren und Lesern vertiefen. Zur Frankfurter Buchmesse, die in diesem Jahr vom 15. - 19. Okober stattfindet, gibt es übriges auch wieder ein Weblog.