Digitale Inhalte lieber verschenken?
In der Musikindustrie gibt es diese Diskussion schon lange und alle Versuche, dem Raubkopieren Herr zu werden, sind getrost als gescheitert zu betrachten. Nun hat der Leipziger Verlagsberater Leander Wattig die Debatte in Richtung Verlage und Buchautoren weitergetrieben. In seinem Blogbeitrag “Geld verdienen in digitaler Buchbranche” empfiehlt er:
In der digitalen Buchwelt des Internets reicht es in der Regel nicht, einige wenige Multiplikatoren zu überzeugen oder Werbung in reichweitenstarken Medien zu schalten. Hier wird Reichweite im Wesentlichen über die normalen Nutzer aufgebaut. Um diese in großer Zahl erreichen zu können, wird der Autor seine Inhalte möglichst breit streuen wollen. Seine Annahme wird sein, dass er die Aufmerksamkeit von jeweils sehr vielen Menschen erreichen muss, um einen von ihnen für seine Inhalte zu begeistern. Hierbei wird er unweigerlich alle Möglichkeiten nutzen wollen, die ihm zur Verfügung stehen. Hierzu gehören auch die besonderen Eigenschaften von digitalen Inhaltekopien.
Mit anderen Worten: Autoren sollen künftig erst einmal das Ergebnis ihrer schöpferischen Arbeit verschenken, um Reichweite und Aufmerksamkeit zu erzielen. Für eine PR-Aktion durchaus eine sinnvolle Strategie. Corporate E-Books mit guten Inhalten, die im Netz verschenkt werden, sorgen dafür, dass ein Unternehmen in seiner Zielgruppe besser wahrgenommen wird. Die Kosten dafür werden aus dem Marketingetat finanziert.
Aber funktioniert dieses Modell auch für einen (noch unbekannten) Autoren. Der Verfasser des Rügen-Krimis “Aktion Störtebeker” sieht das in seinem Blogbeitrag nicht unbedingt:
Reich werde ich vermutlich mit meinem Erstlingswerk - so es denn jemals gedruckt werden wird - sicher auch im herkömmlichen Verlagssystem nicht. Aber soll ich die “Früchte meiner Arbeit” deshalb gleich verschenken? Die von Leander angedachten anderen Refinanzierungsvorschläge für meinen Aufwand beim Verfassen des Buches - z.B. Lesungen, Merchandising, Special Editions, kostenpflichtige Exklusiv-Infos, Spenden der begeisterten Leser - sehe ich für mich als unbekannten Autor nicht wirklich. Das mag vielleicht bei einem Bestseller-Schreiber funktionieren, aber der braucht auch nicht unbedingt die Promotion im Internet.
Eine verständliche Position, denn wer arbeitet schon gerne “umsonst”. Und einen Roman zu schreiben, ist ein hartes Stück Arbeit. Trotzdem ist die Diskussion, die Leander Wattig jetzt angestoßen hat, sehr wichtig. Denn ein einfaches “weiter wie bisher” wird der Verlagsbranche in Zukunft erhebliche Probleme bringen. So wie heute schon der Musikindustrie, die lange die Augen vor der Entwicklung verschlossen hat.
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