Google SideWiki: Überall Kommentare hinterlassen
Vor über einem Monat hat Google seinen neuen Dienst SideWiki gestartet und ich wollte mich schon längst damit beschäftigen. Ein Blogbeitrag in “Am Endes des Tages” hat mich heute wieder an das Thema erinnert. Angesichts der vielen Services, die Google fast jeden Tag neu ankündigt, ist SideWiki (eigentlich ein irreführender Name, denn mit einem Wiki hat das gar nichts zu tun!) auch in der Medienberichterstattung schnell wieder in Vergessenheit geraten. Von einem Durchbruch kann also (noch längst) keine Rede sein.
Trotzdem müssen sich PR-Agenturen mit dem neuen Dienst beschäftigen. Denn in einer Krisensituation kann er schnell eine Rolle spielen. Um was geht es überhaupt? In der Ankündigung schrieb Google:
Mit “Google Sidewiki” können Nutzer der Toolbar ab sofort Webseiten direkt neben deren Inhalt kommentieren und die Meinungen anderer Internetnutzer zu der jeweiligen Seite einsehen. Mit Hilfe von Sidewiki können sie Wissen und Erfahrung mit Nutzern aus der ganzen Welt austauschen. Sie können Kommentare schreiben, Erkenntnisse mitteilen und zusätzliche Informationen beim Besuch von verschiedenen Webseiten austauschen. Dazu müssen sie nur die Sidebar links im Browserfenster öffnen. Die Beiträge sind für andere Nutzer sichtbar und helfen diesen, gesuchte Inhalte möglichst schnell zu finden.
Also: Mit Hilfe dieses Dienstes kann man auf jeder beliebigen Website eine Meinungsäußerung hinterlassen, auch wenn diese über keine eigene Kommentarfunktion verfügt. Einzige Voraussetzung: Der Schreiber (und auch der Leser) hat die Google Toolbar in seinem Browser installiert. Alternativ kann zum Schreiben auch ein Bookmarklet genutzt werden.
Einen Einfluss auf die Anmerkungen hat ein Websitenbetreiber nur sehr begrenzt: Er kann natürlich selbst etwas im entsprechenden SideWiki schreiben und so versuchen, Falschaussagen richtig zu stellen. Oder im Falle von Beleidigungen u.ä. lässt sich dieser Beitrag über einen Button bei Google melden. Wie lange der Suchmaschinengigant dann braucht, um ihn zu entfernen, wird sich zeigen. Selbst die Kommentarfunktion zu sperren oder mißliebige Äußerungen zu löschen, ist nicht vorgesehen.
Wie sich die Anmerkungen im SideWiki auf das Suchmaschinenranking auswirken werden, lässt sich im Moment nicht absehen. Der neue Service ist aber auf jeden Fall ein optimales Kampagneninstrument: Im Guten wie im Schlechten. Auf der einen Seite lassen sich ergänzende und erklärende Informationen zu jeder Website unmittelbar hinzufügen. Etwa die Gegendarstellung zu einem Zeitungsartikel. Zum anderen haben Spammer und Trolle die Möglichkeit, sich im SideWiki auszutoben und man kann so gut wie nichts dagegen machen. Das Heise-Forum direkt auf der Firmen-Website - eine Horrorvorstellung.
Und da kommt die PR-Agentur ins Spiel: Im ersten Schritt sollte sie das Monitoring ausbauen und alle in Frage kommenden Website ihrer Kunden auf neue Beiträge im SideWiki beobachten. Dafür gibt es leider noch keine Alarmfunktion und auch bei den normalen Google-Suchergebnissen werden die SideWiki-Einträge noch nicht gefunden. Einzige Hilfe: Bei jeder Webseite gibt die Farbe des Sidewiki-Buttons in der Browser-Symbolleiste Auskunft darüber, ob bereits Kommentare abgeben wurden oder nicht. Ist das Symbol gelb, ist zumindest schon eine Meinungsäußerung erschienen und es lohnt sich, die Sidebar mit einem Klick auf das Sidewiki-Symbol zu öffnen. Ist das Symbol dagegen weiß, wurde noch kein Kommentar abgegeben. Man hat in diesem Fall die Gelegenheit, als Allererster einen Beitrag zu schreiben.
Als Seiteninhaber kann man sich übrigens immer den obersten Eintrag im SideWiki sichern. Dazu muss die Website allerdings den Google Webmaster Tools zugefügt werden. Ansonsten hängt die Darstellung der Beiträge im SideWiki von der Beurteilung ihrer Relevanz durch Google und die Beurteilung durch die anderen Benutzer ab. Jeder Eintrag in das SideWiki kann übrigens per E-Mail, Twitter und Facebook sofort an die eigene Fangemeinde hinausposaunt werden, was vermutlich zur Steigerung des Bekanntheitsgrades dieses Dienstes beitragen wird.
Es fehlt jetzt nur noch ein PR-Gau wie bei Jako oder Jack Wolfskin und ein paar Aktivisten, die das neue Werkzeug in einer Kampagne gegen ein Unternehmen einsetzen, und der Durchbruch für diese Form von Crowdsourcing kommt schneller als heute vermutet.

