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Den Fake-Blogs auf der Spur

Schon witzig. Da gibt es hier ganz in der Nähe – an der Uni Düsseldorf – jemanden, der sich intensiv mit Corporate Weblogs beschäftigt. Und wir werden erst heute auf ihn aufmerksam. Cornelius Puschmann betreibt (natürlich) ein Blog zu dem Thema und befasst sich unter anderem mit der Frage, wie sich Fake-Blogs erkennen lassen? Dabei ist sein Schwerpunkt die sprachwissenschaftliche Seite.

Ein paar Punkte, die er bereits herausgefunden hat: Ein Fake-Blog hat kaum oder gar keine Links nach außen, oft führt er auch das Wort “Weblog” gar nicht im Titel. Ich bin gespannt, wie das entgültige Ergebnis seiner Untersuchungen aussehen wird?

Ende August hat Cornelius Puschmann einen Vortrag zum Thema am “Telematica Instituut” im niederländischen Enschede gehalten, in dem er sich ausführlich mit verschiedenen Aspekten des Themas “Corporate Weblogs” beschäftigt hat. Auch wenn die Slides hier in englisch sind, lohnt sich ein Blick darauf.

Eine seiner interessanten Thesen: Nur Personen können kommunizieren, Unternehmen nicht. Deshalb ist auch ein Firmenweblog sinnlos, hinter dem nicht eine Person mit Namen und Gesicht steht. Da ist auf der einen Seite sicher etwas dran, aber ganz so absolut würde ich das nicht sehen.

Auch Gemeinschaftsblogs (so wie dieses hier) können funktionieren und auch die Mischung aus Journalismus und persönlicher Meinung (wie wir sie im Cargo-Blog praktiziert haben) ist eine Möglichkeit. Oder?

2 comments

1 Cornelius Puschmann { 09.10.07 at 14:49 }

Hallo Klosterblogger!

Zunächst einmal vielen Dank für die Erwähnung – in der deutschsprachigen Blogosphäre bewege ich mich sonst eher selten, was in erster Linie an meinem Dasein als Anglist liegt, nicht etwa an mangelnder Zuneigung für die deutsche Sprache.

“Eine seiner interessanten Thesen: Nur Personen können kommunizieren, Unternehmen nicht. Deshalb ist auch ein Firmenweblog sinnlos, hinter dem nicht eine Person mit Namen und Gesicht steht. Da ist auf der einen Seite sicher etwas dran, aber ganz so absolut würde ich das nicht sehen.”

Ich auch nicht, d.h. das muss ich etwas klarer formulieren. Es ist allgemein die Norm, dass man den Beiträgen in einem Blog eine (oder mehrere) Personen zuordnen kann. Mein persönlicher Eindruck ist, dass ein Blog durchaus stark “journalistischen” Charakter haben kann (also nicht unbedingt viel “Persönliches” enthalten muss), aber das die Identifikation des Autors wichtig ist. Das bedeutet auf keinen Fall, dass es nicht auch hier zahlreiche Gegenbeispiele gäbe, aber insgesamt erscheinen mir Blogs bei denen man als Leser in direkten Kontakt mit dem Blogger treten kann vielversprechender als solche, wo vollkommen unklar ist mit wem man denn eigentlich redet.

Ganz grundsätzlich gilt: es geht alles Erdenkliche mit Blogs – da ist Kreativität gefragt. Im Fall von Wal-Mart (mein persönliches Parade-Flog) ist aber die Kreativität in die Fabrikation einer künstlichen Kommunikationssituation geflossen. Hier reden eigentlich nur “sock puppets”, und das ohne jegliche Vorstellung von ihrem Gesprächspartner. Das ist allerdings die Ausnahme und mit den hier erwähnten Blogs in keiner Weise zu vergleichen.

Das Unternehmen nicht kommunizieren meinte ich allerdings ganz wörtlich. Personen in ihnen kommunizieren natürlich ständig, aber eine Organisation ist trotz corporate identity, mission statement etc kein Mensch, und mit ihr lassen sich keine besonders tiefsinnigen Gespräche führen.

2 Stefanie { 09.14.07 at 10:15 }

Hallo Cornelius, weitgehend sind wir uns da einig. Aber wenn Unternehmen aus Menschen bestehen, dann können Unternehmen durch diese Menschen auch kommunizieren, oder ? ;-) Die Erfahrung in und mit Corporate Blogs ist aus unserer Sicht sehr gemischt: Es gibt “Fachblogs” zu bestimmten Themen, die ein Unternehmen bzw. die führenden Manager des Unternehmens vorantreiben möchten. Das Ziel eines solchen Blogs ist, dass das Unternehmen mit diesem Thema identifiziert wird und sich hier positionieren kann. Diese Blogs werden manchmal von den Fachleuten im Unternehmen betrieben oder von fachkundigen Experten von außen. Dann gibt es Corporate Blogs, die von den Führungen eines Unternehmens betrieben werden. Diese haben dann schon mehr Ähnlichkeit mit den “normalen” Blogs, da hier Persönlichkeiten für ihr Unternehmen stehen und aus ihrer Sicht, meistens aus ihrer Funktion im Unternehmen, bloggen. Zusätzlich existieren schon lange “dialogische” Blogs aus einem Unternehmen heraus, die ihre “Konsumenten/Käufer” bei Produktentwicklungen einbeziehen und mit ihnen gemeinsam neue Ideen entwickeln – diese kenne ich allerdings fast nur im Bereich der Softwareentwicklung. (Was sehr schade ist, hier gäbe es bestimmt mehr Potenzial…)Und ich bin sicher, es werden (abgesehen von internen Blogs eines Chefs einer Chefin) noch mehr neue Formen entstehen.
Recht hast du, wenn du sagst, dass die Autorenidentität eine große Rolle spielt – aber auch hier lassen sich Abstriche machen, wenn der Blog bei einer Messe oder einer Veranstaltung von dem Unternehmen zur Positionierung genutzt wird. Ein langfristig angelegter Blog allerdings lebt von seinen Autoren – und ihren Persönlichkeiten. d´accord :-)