Muck Rack: Pressemitteilungen per Twitter
Angefangen hat Muck Rack vor einiger Zeit als ganz gut durchdachtes Portal, in dem man twitternde US-Journalisten nach Themenbereichen sortiert finden und ihre Tweets verfolgen kann. Nun betreibt man solch einen Aufwand meist nicht ohne Hintergedanken und so ist die Katze seit gestern aus dem Sack: Bei Muck Rack kann man ab sofort Pressemitteilungen twittern. Und zwar für 1 $ pro Wort (mindestens 50 $), einfach per Paypal zu zahlen.
Diese Kostenpflichtigkeit soll nicht nur den Dienst refinanzieren, sondern auch erzieherisch auf Agenturen und Unternehmen einwirken. Das Kalkül: Wenn jedes Wort Geld kostet, werden nur noch die wichtigsten Fakten kommuniziert und auf Marketing-Gewäsch verzichtet. Wobei die deutlich mit “RELEASE” gekennzeichneten Tweets ohnehin nur Anreißer mit Links zur tatsächlichen Pressemitteilung sind, denn in 140 Zeichen lässt sich nun mal kein komplexer Sachverhalt vermitteln.
Ob das Geschäftsmodell aufgehen kann? Ich habe da meine Zweifel. Denn Muck Rack hat gerade mal 3700 Follower auf Twitter und das sind längst nicht alles Journalisten. Auf der Website selbst gibt es einen eigenen Kanal für die PM-Tweets. Aber warum soll sich den ein Journalist anschauen (mal abgesehen von der aktuellen Neugier im Zusammenhang mit dem Twitter-Hype)? Da kann er sich genauso gut den RSS-Feed eines der zahllosen Pressemitteilungsportale im Web abonnieren.
Sinnvoll wäre ein solcher Dienst nur, wenn er direkt Presseinfos zu den Journalisten bringen würde. Aber ohne Selektionsmöglichkeiten ist das wie mit der Schrotflinte schießen und interessiert die meisten Adressaten nicht die Bohne. Im schlimmsten Fall sind die sogar verärgert und entfollowen die Spam-Schleuder. Wenn man also Twitter als Kommunikationskanal zur Verbreitung von Pressemitteilungen nutzen will, hilft nur das klassische Herangehen einer PR-Agentur: Einen maßgeschneiderten Verteiler aufbauen, indem man interessanten Journalisten folgt und hofft, dass sie zurückfolgen. Und dann am Besten den Link zur Pressemitteilung mit ein paar persönlichen Worten per Directmail verschicken. Aber dafür kann man eigentlich auch die gute alte E-Mail verwenden und braucht kein Twitter.