Social Media Newsroom: Wie das Kind heißt, ist doch eigentlich egal
Der Düsseldorfer Journalist, Blogger, Buchautor und PR-Profi Rainer Bartel beschäftigt sich heute mit der Frage, wie der “ideale Pressebereich im Internet” aussehen soll. Neben vielen Punkten, die wir aus unserer Erfahrung so direkt unterschreiben würden, meint er aber in Abgrenzung zu einem Beitrag des PR-Experten Tilo Bonow:
Am wichtigsten, das bestätigen alle befragten Journalisten, ist aber, dass über den Pressebereich im Web Kontakt zu einer oder mehreren verantwortlichen Personen aufgenommen werden kann, die weitere Informationen liefern können. … Dieser Anspruch steht dem von einigen Web 2.0-Missionaren vorgeschlagenen Prinzip des Social Media Newsroom diametral entgegen. Denn der Hype um Twitter, Facebook und ähnliche Dienste ist beim Gros der Journalisten noch gar nicht angekommen oder schon vorbeigezogen. Was zählt, darin sind sich die Befragten einig, ist die persönliche Beziehung zwischen Medien- und Unternehmensvertretern.
Nun ist sicher nichts dagegen zu sagen, dass es vor allem auf den direkten Kontakt ankommt. Aber unterstützen Xing, Facebook oder Twitter nicht genau das? Wer sagt, dass nur das persönliche Gespräch oder das Telefon ein geeignetes Kommunikationsinstrument sein kann? Es gibt sehr unterschiedliche Wege, um Informationen auszutauschen und eine persönliche Beziehung auszubauen. Früher war es die Briefpost, dann das Fax und die E-Mail. Wer sagt uns denn, dass diese Kanäle nicht morgen durch Twitter ergänzt oder gar abgelöst werden? Auf jeden Fall sind schon eine ganze Reihe von Journalisten über diesen Dienst erreichbar. Das es noch nicht alle sind oder noch nicht einmal die Mehrheit – sollte uns das wirklich davon abhalten, diese Möglichkeit zu nutzen? Wenn wir das bei den ersten Mails auch so gemacht hätten, würden wir heute noch unsere Pressemitteilungen per Fax versenden.
Und was den Social Media Newsroom angeht: Auch da kommt es darauf an, wie er aussieht und welche Inhalte er enthält. Es geht nicht um einen Hype, sondern einen besseren Service für die Redakteure. Wir haben vor ein paar Wochen einen solchen Social Media Newsroom für den Politthriller “Aktion Störtebeker” eingerichtet. Mit Hilfe eines einfachen WordPress-Templates, das durch einige Plug-Ins ergänzt wurde.
Ausgangspunkt war dabei die Überlegung, was Rezensenten eines Krimis wohl brauchen: Die Möglichkeit zur Bestellung von Rezensionsexemplaren und zu deren sofortigem Download, Autoren-Vita, Hintergrundinfos zu verschiedenen Aspekten des Buches, bereits erschienene Buchbesprechungen, Fotos, Terminkalender. Dazu ein paar Web 2.0-Geschichten, die heute unverzichtbar sind: Ein Videotrailer zum Download und Einbinden via YouTube, Links zu den Profilen des Autors in den sozialen Netzwerken und zu seinen Weblogs, eine Möglichkeit zur raschen Weiterverbreitung der Informationen über Buttons und RSS-Feeds.
Im Prinzip genau das, was Rainer Bartel in seinem Beitrag in 10 Tipps auch empfiehlt. Ob man das nun “Pressebereich” oder “Social Media Newsroom” nennt, ist doch eigentlich egal.
4 comments
Rainer Bartel hat sich mit seinem Beitrag auf Förderland ins Abseits manövriert. Das sojemand ein Buch über Online PR veröffentlicht und sich PR Profi nennt ist erschreckend. Nicht zu erkennen das der Social Media Newsroom (wie es vollkommen richtig im Artikel von Tilo Bonow erklärt ist) eine konsequente Weiterentwicklung des klassischen Pressebereichs ist und dieser durch die Zusammenführung und Verknüpfung von Informationen einen größtmöglichen Mehrwert für den Journalisten bringt, ist verwunderlich. Gerade auch der Kontakt zu diversen Ansprechpartnern über die verschiedenen Kanäle ist für Journlisten, die ja immer auf der Suche nach kompetenten Gesprächspartnern sind und schnell weiterführende Infos brauchen, ganz elementar. Herr Bartel sollte also das nächste mal, bevor er in die Tasten haut, zunächst mal lesen, verstehen und nachdenken bevor er solch seltsam krude Thesen aufstellt.
Hallo,
das ist ja eine sehr interessante Frage.Man kann eigentlich viel danach nachdenken…Ich glaube das wird schon großen Erfolg haben.Danke.
Gruß Renate
Stimme dem voll zu. Ich glaube allerdings, wir sollten von diesem Begriff “Social Media Newsroom” runterkommen (der Name ist also nicht egal) und ihn einfach “Newsroom” nennen. Warum? Weil einige Leute (Journalisten, PR-Heinis, andere Entscheider) bei dem ganzen Gerede um die Wichtigkeit von Social Media einfach Reaktanzen entwickeln, die inhaltlich nicht gerechtfertigt, emotional aber nachvollzierbar sind.
@Jörg Hoewner: Ich denke auch, dass wir nicht so an diesem Begriff kleben sollten. Ob ein weiterer Anglizismus wie “Newsroom” angemessen ist, weiß ich nicht. Aber entscheidend ist der Inhalt und das Serviceangebot für die Zielgruppe (Journalisten allgemein, Online-Redakteure, Blogger). Wenn die das bereitgestellte Material nutzen, ist der Sinn und Zweck erreicht.
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