Category — Storytelling
Die SPD und der Wahlkampf 2.0 in NRW
Während die SPD-Spitzenkandidatin für die kommende Landtagswahl in NRW gerade wieder einmal so gut wie alles falsch macht, indem sie mit der Abmahnkanone auf einen Blogger schießt und so zwangsläufig die Blogosphäre gegen sich aufbringt und Solidaritätsaktionen mit dem Betroffenen erzeugt, ist der sozialdemokratische Oberbürgermeisterkandidat in Wuppertal sehr viel schlauer und nutzt das Web 2.0 für sich.
Dietmar Bell hat nicht nur eine ganz pfiffige Webseite (“Ich bin Bell”), bloggt und twittert, er setzt auch auf eine eigene Online-Community (“Wir sind Bell”) zu seiner Unterstützung. Dort können die Fans des OB-Kandidaten miteinander diskutieren, eigene Blogs einrichten und als Gruppe oder Verein Dietmar Bell zu sich einladen. Auch hier wird natürlich getwittert und ein eigener YouTube-Kanal (“BellTV”) sorgt für aktuelle Bewegtbilder.
Bemerkenswert auch: On- und Offlinewahlkampf sind in der von Carsten Czanderna und Stephan Braun ins Leben gerufenen Kampagne eng miteinander verzahnt. Die 50 WuppertalerInnen, die online mit ihrem Bild und Namen für den SPD-Politiker werben, finden sich bis zum 30. August auch an zahlreichen Stellen im gesamten Stadtgebiet auf großflächigen und kleinere Plakaten. Selbstverständlich gut sichtbar mit der Internet-Adresse des Wahlkampfauftritts.
Die Wuppertaler SPD hat offensichtlich gut den Obama-Wahlkampf in den USA studiert und versucht, ihn auf die eigenen Verhältnisse anzuwenden. Das wird Dietmar Bell allerdings nicht viel nutzen, wenn die Bundespolitik (Zustimmung für Zensursula) und eine Landesvorsitzende wie Hannelore Kraft, die Blogger mit Abmahnungen bedroht, ihm laufend Knüppel zwischen die Beine werfen.
Juli 1, 2009 2 Comments
Von Unkrautsuppe und dem Einkriegezeck: Das ist Storytelling
Erny Hildebrand ist nicht nur Gründerin von conosco und der Agentur als Autorin verbunden, sondern auch mit ihrem eigenem Unternehmen freiraum erfolgreich. Jüngstes Produkt: Die im Engelsdorfer Verlag erschienene Anthologie: “Von Unkrautsuppe und dem Einkriegezeck“. Dabei handelt es sich um Storytelling vom Feinsten.
Wie trägt sich ein Badeanzug aus Zuckersackgarn? Kann man Unkrautsuppe essen? Wie bequem ist ein stilles Örtchen ohne fließendes Wasser? Und was ist eigentlich ein Einkriegezeck? Wie war das mit dem Rohrstock in der Schule und wie mit den Streichen? Wie konnten Kinder im und nach dem Krieg ihre Eltern verlieren und wiederfinden?
Antworten auf diese und andere Fragen geben die 31 AutorInnen, die in den Schreib-Workshops von Erny Hildebrand ausgewählte Episoden aus ihren Lebenserinnerungen zusammengestellt und jetzt in der Anthologie veröffentlicht haben. “In mehr als 70 Geschichten und Gedichten erfahren wir, wie sich unsere Eltern und Großeltern als Kinder und Jugendliche in der großen Geschichte zurecht gefunden und ihren eigenen Lebensweg gesucht haben“, erzählt die Herausgeberin über das Projekt.
Die älteste Autorin wurde noch zur Kaiserzeit geboren, die Jüngste im Kalten Krieg. In ihren Erzählungen sehen sie die Geschichte, die dazwischen liegt, noch einmal mit Kinderaugen an und nehmen die Leser dabei mit in ihre Kindheit. Heute leben alle AutorInnen in Düsseldorf und der näheren Umgebung. Die Geschichten ihrer Kinderzeit jedoch haben sich in Stettin und am Bodensee, in Berlin und im Emsland, in Düsseldorf, Delmenhorst oder Halle ereignet.
Die AutorInnen, zusammen über 2000 Jahre alt, erzählen zu Beispiel, wie sie den kalten „Russlandwinter“ erlebten, als der Rhein fest zugefroren war, wie sie später aus der Evakuierung in ein zerbombtes Düsseldorf zurück kehrten, wie sie Krebse fingen, Mutproben bestanden und unbeliebten Lehrern Streiche spielten. Sie berichten aber auch von traumatischen Kriegs- und Fluchterlebnissen, vom allein sein und von der Heimkehr der Väter.
“Diese Anthologie ist ein Erzählbuch, sie ist aber auch ein Lese- und Vorlesebuch“, sagt Erny Hildebrand. Und sie ist ein Buch, das dazu einlädt, selbst zu erzählen, sich von den eigenen Eltern und Großeltern erzählen zu lassen und über Generationen hinweg ins Gespräch zu kommen. Die Schreibanregungen am Ende des Buches laden die Leser dazu ein, selbst den Stift in die Hand zu nehmen. Oder ein Schreibworkshop bei freiraum zu besuchen.
Dezember 15, 2008 1 Comment
Cisco: Storytelling mit Tücken
Wir sind ja unbedingte Verfechter von Storytelling. Besonders wenn es um die Vermittlung von komplexen technischen Sachverhalten geht. Darum halte ich die Human-Network-Kampagne des Netzwerkausrüsters Cisco auch für eine gute Idee. Neben professionell erstellten Case Studies aus Unternehmen sind auf dieser Plattform auch Stories rund um die Cisco-Produkte zu finden, die von einfachen Anwendern geschrieben werden.

Jetzt kam aber offensichtlich jemand im Cisco-Marketing auf die (wenig) glorreiche Idee, dass dort doch auch eine Geschichte über einen Hersteller von Skateboards zu lesen sein sollte. Denn das kommt bei einer jugendlichen Zielgruppe bestimmt gut an.
Und weil man die wohl nicht aufwendig recherchieren und schreiben wollte, wurde einfach eine passende Story gefaked. Das vorgestellte Traditionsunternehmen “Thundersk8″ und der dort beschäftigte Produkttester Dave Wein sind nämlich frei erfunden.
Nun leben wir ja im Zeitalter des Web 2.0 und so kam es, wie es kommen musste: Blogger, die sich in der Materie auskennen, enttarnten den Schwindel und wiesen im Detail zahlreiche Fehler in der erdachten Geschichte nach. Derzeit zieht diese Story ihre Kreise und Cisco hat den Imageschaden.
Mir ist das Ganze ziemlich unverständlich. Der Weltmarktführer bei den Netzwerken hat garantiert irgendwo auch einen Skateboardhersteller unter seinen Kunden, vermutlich sogar die Top-Firmen der Branche. Warum hat man nicht einfach mit einem von denen geredet, einen Journalisten vorbeigeschickt und einen schicken Anwenderbericht schreiben lassen? Wegen ein paar Euro oder Zeitmangel seine Glaubwürdigkeit aufs Spiel zu setzen, ist einfach nur dumm.
April 4, 2008 No Comments
Nicht jedes Unternehmen braucht ein Weblog ….
… schreibt Werbeblogger Patrick Breitenbach und stellt fest: “Blogs werden zur Normalität und dadurch steigt auch das Bewertungsniveau an. …Einen Blog aufsetzen kann mittlerweile jeder. Jedoch müssen die Geschichten und Persönlichkeiten dahinter bemerkenswert sein und auch gleichzeitig perfekt zur Marke passen. Das ist die eigentliche harte Arbeit an der Sache.”
In der Tat. Etwas einfacher wird es, wenn man sich auch sonst in der Unternehmenskommunikation mit dem Storytelling beschäftigt. Dann gibt es meist schon eine gute Grundlage für die Inhalte des Corporate Weblog.
August 28, 2006 1 Comment
Storytelling statt Journalismus: Neue Blogger-Studie aus den USA
Für den heute vorgestellten Report des “Pew Internet & American Life Project” wurden zwischen Juli 2005 und Februar 2006 gerade einmal 233 Blogger in den gesamten USA telefonisch interviewt. Trotz der schmalen Datenbasis kamen einige interessante Ergebnisse heraus.
Danach sagten 77 % der Befragten, dass sie sich mit ihrem Weblog vor allem “kreativ ausdrücken” wollen. Aufmerksamkeit oder gar Geld spielt dagegen als Motivation kaum eine Rolle. Dementsprechend stehen für 37 % der Blogger das eigene Leben und persönliche Erfahrungen im Mittelpunkt der Postings, gefolgt von 11 % politischen Themen. Auf den weiteren Plätzen: Unterhaltung 7 %, Sport 6 %, Nachrichten 5 % und Religion oder Spiritualität mit 2 %.
Rund 8 % der US-Internet-Nutzer haben ein eigenes Weblog, das sind 12 Millionen Menschen. Etwa 39 % der Web-User in den USA – 57 Millionen Menschen – lesen regelmässig die virtuellen Tagebücher. 54 % der Blogger sind jünger als 30 Jahre.
Nur 34 % sehen ihre Bloggerei als eine Form des Journalismus, 65 % lehnten diese Aussage ausdrücklich ab und wollen lieber Geschichten erzählen (“Storytelling”), statt harte Fakten zu recherchieren oder zu Quellen zu verlinken. 55 % schreiben unter einem Pseudonym. Neun von zehn Bloggern wünschen Kommentare von ihren Lesern. Vier von fünf Blogs sind textbasiert, aber immerhin 72 % verwenden Fotos. Audiolinks gibt es bei 30 %.82 % der befragten Blogger gehen davon aus, dass sie sich auch noch in einem Jahr mit dem Thema beschäftigen werden. 3 % wollen das Handtuch hinwerfen. Interessant auch die Verteilung auf die verschiedenen Blog-Plattformen: 13 % LiveJournal, MySpace wird von 9 % genutzt und Blogger von 6 Prozent
Juli 19, 2006 No Comments